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offline Helmut  

1.711 Beiträge
Beitrag Mein langer Lauf zu mir selbst  18.02.2004 • 19:07


Joschka Fischer: Mein langer Lauf zu mir selbst
Broschiert, 160 Seiten; Droemer Knaur
ISBN: 3426614782
Preis: 8,90 EUR

Ueber Joschka Fischer mag man denken, was man will. Hier geht es aber nicht um seine politischen Aktionen und Ambitionen, sondern um eine sehr menschliche Komponente, die natuerlich irgendwo auch irgendetwas mit dem Politiker zu tun hat.

Angesprochen hatte mich das Buch durch den Titel, der mich damals inmitten eines tiefen Prozesses der Selbstfindung erreichte.

Dass ich mich irgendwie mehr bewegen musste, war mir rein hirnmaessig schon klar. Und dass es Laufen sein sollte auch. Aber Fleisch und Geist haben nicht selten Kommunikationsprobleme, und es ist oft schwierig, diese babylonische Sprachverwirrung aufzuloesen. So konnten auch etliche Buecher von Strunz und Co zwar mich begeistern, aber nicht meinen inneren Schweinehund ueberzeugen. Was dort geschrieben stand, war alles viel zu glatt, zu sauber, zu schoen und zu einfach. Denn genau *das* war es naemlich nicht, wie die Praxis mir tagtaeglich zeigte. Sonst *waere* ich ja einfach losgelaufen.

Dieser Verdienst, dem Schweinehund die Sprache des Hirns zu uebersetzen, kam erst dem Buechlein von Joschka Fischer zu. Und, wie ich spaeter erfuhr, ich war da nicht der einzige. Doch das war dann eher nebensaechlich.

Fischer beschreibt anschaulich und mit dem ihm eigenen Humor, wie er als frischgebackener Außenminister seiner sicher allseits bekannten Fettleibigkeit im wahrsten Sinne zu Leibe rückte -- inerhalb eines halben Jahres von 112 kg herunter auf 75 kg. Er scheut sich nicht, die Hintergruende seiner Fettleibigkeit zu analysieren, und kommt dann an den Wendepunkt -- eine persoenliche Krise (seine Frau trennte sich nach 13 Jahren von ihm). Er entscheidet sich, den bisherigen Lebenswandel aufzugeben und sich wieder vor allem auf sich selbst zu konzentrieren.

Fischer beschreibt, wie er sich anfangs quaelt, einige Meter zu schaffen, wie er sich heimlich fruehmorgens auf die Strecke um das Bonner Regierungsviertel begibt und sich immer wieder neue Ziele setzt. Als Leser leidet man regelrecht mit. Allmaehlich kehrt die Kondition zurueck, und da er auch die Ess- und sonstigen Lebensgewohnheiten aendert, bleibt der Erfolg nicht aus. Nach einem Jahr laeuft er einen Marathon mit, gecoacht uebrigens von Herbert Steffny.

Steffny hat auch ein kurzes Nachwort verfasst, in dem er den ungeuebten Lesern Tipps gibt, wie sie mit dem Laufen anfangen und was sie dabei sonst noch beruecksichtigen sollten.

Fischers Buch hat mich wieder zum Laufen gebracht. Es war nicht die Theorie, die ich brauchte, nicht der Trainer, sondern einfach der Kick und das persoenliche Erleben dieses Menschen, eines Menschen wie du und ich. Und ich wusste: Wenn er es schafft, dann schaffe ich es auch. Denn hier wurde mir erstmals richtig bewusst: Es geht nicht ums Schlankwerden, sondern darum, zu mir selbst zurueck zu finden. Weglaufen, um endlich wieder anzukommen.

Danke, Joschka Fischer, fuer diese wundervolle Erfahrung.



Alles, was ich gebe, ist ein Geschenk an mich selbst. Waehrend ich gebe, empfange ich.
 
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offline ursula-anna  

nicht registriert
Beitrag Re: Mein langer Lauf zu mir selbst  18.02.2004 • 23:46


Hallo Helmut,

vielen Dank für deinen Beitrag.

Genauso sehe ich das auch.

Wir brauchen heutzutage wieder Vorbilder. Insbesondere unsere Jugend braucht diese. Das ist ganz wichtig.

Gute Nacht
ursula-anna
 
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offline Helmut  

1.711 Beiträge
Beitrag Re: Mein langer Lauf zu mir selbst  19.02.2004 • 07:13


Zitat von ursula-anna

Wir brauchen heutzutage wieder Vorbilder.

Vor-Bilder sind gut. Aber wir muessen dabei aufpassen, dass wir keine Ab-Bilder werden. Oder wie ein Sprichwort sagt: Wer in die Fussspuren eines anderen tritt, hinterlaesst keine eigenen.

Ich denke schon, dass Jugendliche Vorbilder haben, auch wenn diese nicht mit unseren Vorstellungen uebereinstimmen. Und vor allem haben sie auch uns als Vorbilder. Und ob sie es moechten oder nicht, letztlich orientieren sie sich an uns. Und sei es auch nur, um es ganz anders zu machen (so wie wir es ja auch in unserer Jugend gemacht haben). Wie koennen wir z.B. jungen Menschen Perspektiven bieten, wenn wir selbst keine haben?

Liebe Gruesse

Helmut



Alles, was ich gebe, ist ein Geschenk an mich selbst. Waehrend ich gebe, empfange ich.
 
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offline ellebelle  

nicht registriert
Beitrag Re: Mein langer Lauf zu mir selbst  19.02.2004 • 09:17


Also,erstmal - toll,daß du diese neue Sparte aufgetan hast,Helmut!Gute Buchtipps kann man immer gebrauchen.
Joschka Fischers Buch habe ich auch vor ein paar Jahren gelesen und es hat mich damals sehr beeindruckt.Bin dann auch angefangen zu laufen und hab knapp drei Monate durchgehalten.Danach bekam ich aber gesundheitliche Probleme(nicht wegen des Laufens),so das ich damit aufhörte.Aber ganz aus dem Kopf ist es noch nicht.Ich finde es bewundernswert,wenn Jemand Durchhaltevermögen zeigt und konsequent sein "Ding" durchzieht.
 
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offline milkaherz  

nicht registriert
Beitrag Re: Mein langer Lauf zu mir selbst  19.02.2004 • 10:23


das buch wird aber unglaubwürdig, wenn man sich anguckt, wie der fischer heute (wieder) aussieht... er hat also nicht durchgehalten, oder warum ist er jetzt wieder so dick...
 
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offline Angelika Stein  

Autorin
3.017 Beiträge


D - Glückstadt
Beitrag Re: Mein langer Lauf zu mir selbst  19.02.2004 • 10:25


Hallo Milka
ich glaube nicht dass das Buch unglaubwürdig ist
Es gibt eben Umstände im Leben eines Menschen, die einen vom Weg abkommen lassen- mehr ist das nicht..


LG
Angelika
 
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offline Amigo  

400 Beiträge

D - Frankfurt a. Main
Beitrag Re: Mein langer Lauf zu mir selbst  19.02.2004 • 11:12


Das sehe ich genaus wei Angelika! verliebt



Diät - nie wieder !!!!!!
 
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offline Angelika Stein  

Autorin
3.017 Beiträge


D - Glückstadt
Beitrag Re: Mein langer Lauf zu mir selbst  19.02.2004 • 11:20


Amigo- schöne Signatur...!
Sollten wir zum Slogan dieser Seite machen..

LG
Angelika
 
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offline ursula-anna  

nicht registriert
Beitrag Re: Mein langer Lauf zu mir selbst  19.02.2004 • 14:39


@ Helmut

Zitat

Vor-Bilder sind gut. Aber wir muessen dabei aufpassen, dass wir keine Ab-Bilder werden. Oder wie ein Sprichwort sagt: Wer in die Fussspuren eines anderen tritt, hinterlaesst keine eigenen.

Interessanter Denkanstoss. Es lohnt sich darüber nachzudenken.
Hab Dank
ursula-anna
 
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