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offline Kölnerin74  

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D - Colonia
Beitrag Die Frau, die im Mondlicht aß  25.03.2005 • 21:54


Die Frau muss für Ihre Gesundung erkennen, dass ihre Besessenheit mit Essen und Dicksein nicht ihr Selbst definiert. Sie muss ihre Perspektive ändern, so dass sie diese Obsession nicht mehr als furchtbaren Charaktermangel betrachtet, sondern als einen einfachen, aber stark benötigten Mechanismus, den sie auf ihrem Lebensweg irgendwann gelernt hat. Ein Verhalten, dass sie lernte, um mit der emotionalen Qual fertig zu werden, weil sie anders war oder sich missverstanden, unakzeptiert oder überwältigt fühlte. Sie muss die Möglichkeit erwägen, dass die Entwicklung von gestörtem Essverhalten nicht unbedingt eine so schlechte Wahl war - angesichts der begrenzten Möglichkeiten, die ihr in den Phasen der Überlastung oder Kritik zur Verfügung standen.

Stell dir vor, du stehst im Regen am Ufer eines tosenden Flusses. Plötzlich rutscht die vom Wasser aufgeweichte Böschung unter dir ab. Du fällst ins Wasser und wirst von den Stromschnellen mitgerissen. All deine Bemühungen, dich über Wasser zu halten, sind vergeblich, und du wirst wohl ertrinken. Doch zufällig schwimmt ein großer Balken vorbei, an den du dich klammern kannnst. Dieser Balken hält deinen Kopf über Wasser und rettet dir das Leben. An den Balken geklammert, schwimmst du stromabwärts und gelangst schließlich wieder in ruhigeres Wasser. In der Ferne erblickst du das Ufer, und du versuchst, dorthin zu schwimmen. Doch das gelingt dir nicht, weil du dich immer noch mit einem Arm an den dicken Balken klammerst und mit dem anderen Schwimmzüge machst. Wie ironisch, dass das, was dir das Leben rettete, dir jetzt im Wege steht. Am Ufer stehen Menschen, die deinen Kampf mit ansehen und brüllen: "Lass den Balken los!" Aber das kannst du nicht, denn du hast kein Vertrauen in deine Fähigkeiten, es bis zum Ufer zu schaffen.

In einer ähnlichen Lage befinden sich viele Menschen, wenn ihnen ihr gestörrtes Essverhalten zum ersten Mal bewusst wird. Sie fühlen sich bestenfalls albern - schlimmstenfalls gedemütigt, weil sie nicht in der Lage sind, ein Verhalten aufzugeben, das im Konflikt liegt mit ihrem Wunsch, im Leben das zu errichen, was sie erstreben. Angesichts ihrer Scham vergessen sie rasch die Rolle, die die Eßstörung bei ihrem Überleben gespielt hat. Die Eßstörung, die ihnen half, in stürmischen Zeiten den Kopf über Wasser zu halten, weil sie damit Konflikte, Gefühle und schwierige Situationen bewältigen konnten. Wenn sie sich weiterhin so "destruktiv" verhalten, nehmen sie an, dass etwas mit ihnen nicht stimmt. Diese Sicht wird leider von wohlmeinenden Freunden, Angehörigen und Experten bestärkt, die vorschlagen, man solle "einfach damit aufhören", sich zu Tode zu hungen, überessen und erbrechen, einfach aufhören, zwangshaft zu essen und weiter zuzunehmen.



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offline Simone  

347 Beiträge

D - NRW
Beitrag Re: Die Frau, die im Mondlicht aß  18.04.2005 • 11:34


hallo Kölnerin74,

ich habe mir das Buch gekauft, es hörte sich wirklich gut an und ich muss sagen es ist einfach gut. Ganz durch hab ich es noch nicht, aber das was ich bis jetzt gelesen habe - es löst in einem ziemlich viel aus, meiner Meinung nach. Man fängt an nachzudenken. Beschreiben kann ich das gar nicht genau, was in mir grad anfängt zu arbeiten.

Vielen vielen Dank für Deinen Tipp glücklich
 
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