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offline christine  

nicht registriert
Beitrag Re: verzeihen  15.12.2005 • 23:39


Ich vergebe dir

Jeden Freitagmorgen fährt eine vornehme ältere Dame 60 Kilometer zum kaliforinschen Zuchthaus San Quentin, wo sie unter den 440 Bewohnern des Todestrakts sieben Freunde hat. Sie spricht mal mit dem einen, mal mit dem anderen von ihnen über ihre Verbrechen, über die Exekution, die ihnen bevorsteht, über das Gefängnisleben und über Gott.

Das ist an sich noch nicht ungewöhnlich; viele engagierte Christen in den USA folgen dem Gebot Jesu, Strafgefangene zu besuchen. Was die 63 Jahre alte Gayle Blount aber von anderen seelsorgerischen Betreuern unterscheidet, ist folgendes: Einer ihrer sieben Freunde ist der Mörder ihrer Tochter. Er hatte die hübsche 19 jährige Abiturientin Catherin Blount am 30 September 1980 mit zehn Messerstichen umgebracht, wurde gefasst und zum Tode verurteilt. Jetzt wartet er darauf, dass ihm eine Giftspritze verabreicht wird.

Dass die Mutter eines Opfers ihm und anderen , die ähnliche Verbrechen begangen haben, seelsorgerisch zu Seite steht, ist eine jener erstaunlichen Begebenheiten, die das gewalttätige Amerika zu einem Land der unbegrenzten Widersprüche machen. Denn obwohl Gayle Blount natürlich eine Ausnahme ist, liegt sie offenbar in einem Trend, dessen Ansätze die New York Times und Washington Post, ausgemacht haben: Der Trend heißt Vergebung.

Kürzlich demonstrierte Gayle Blount vor dem Obersten Gerichtshof in Washington die Todesstrafe. Mit ihr marschierten hundert andere. Sie waren alle Mitglieder eines Vereins der Hinterbliebenen von Mordopfern, der jedes Jahr eine zweiwöchige Reise der Hoffnung mal in diesen, mal in jenen Bundesstaat veranstaltet, um dort im Lokalfernsehen, in Kirchen und Schulen die Menschen davon zu überzeugen, dass der Staat nicht Gleiches mit Gleichem vergelten solle.

In 39 amerikanischen Gefängnissen bangen über 3000 Häftlinge dem Tag entgegen, an dem sie kurz nach Mitternacht den letzten Gang zur Gaskammer, zum elektrischen Stuhl, zum Galgen antreten müssen, oder zu jener kahlen Kammer, in der ihnen tödliches Gift in die Venen gespritzt wird.

Gayle Blount, die halbtags in der Arztpraxis ihrer zweiten Tochter arbeitet, hat zwölf Jahre gebraucht, bis sie zur Vergebung fähig war. Dann schrieb sie dem Mörder ihres Kindes diesen Brief:

Vor zwölf Jahren hatte ich eine schöne Tochter namens Catherine. Sie war eine ungewöhnlich begabte und intelligente junge Frau. Sie strahlte Liebe und Fröhlichkeit aus. Ich konnte nicht begreifen, warum ausgerechnet sie so gewaltsam aus diesem Erdenleben gerissen wurde.

Ihr Seelsorger, fuhr Gayle Blount fort habe ihr geholfen, Hass- und Rachegefühle zu überwinden und dem Verbrecher zu vergeben. Das bedeutet freilich nicht, schrieb sie, dass ich Sie für unschuldig hielte. Aber ich habe begriffen, dass auch Sie ein Geschöpf Gottes sind. Auch Sie sind in Ihrer Gefängniszelle von Gottes Liebe umgeben.

Das Recht dieses Landes wird über ihr Schicksal entscheiden, fuhr sie fort, erwarten Sie also nicht von mir, dass ich mich für Sie politisch engagiere. Sie tat es dann freilich doch, aber das ist nicht der entscheidende Punkt. Wichtiger war der Satz: Ich bin gern bereit, Ihnen regelmäßig zu schreiben und Sie auch zu besuchen, wenn Sie es wünschen.

Dankbar antwortete der Gefangene und bekannte, wie tief er seine Tat bereue.

Dies gab Gayle Blount den Anstoß, sich nicht nur seiner, sondern auch seiner Mithäfltinge anzunehmen.

(Gefunden in: Stimme des Glaubens/ 10 Oktober 2005/ 46. Jahrgang)


Vor dieser Frau habe ich große Achtung. Ob ich das könnte, weiß ich nicht. Was diese Frau da geleistet hat ist in meinen Augen eine der allertiefsten Formen der Vergebung.

Nachdenkliche Gruesse
Christine
 
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offline Miezcat  

853 Beiträge

D - Niedersachsen
Beitrag Re: verzeihen  16.12.2005 • 01:06


Hallo Christine,

das ist eine sehr schöne Geschichte, die mich sehr nachdenklich gemacht hat, von so einem Schritt bin ich allerdings meilenweit entfernt.

Ich fange erst einmal "klein" an und habe mir erlaubt deine Signatur auf auf einen Zettel zu schreiben und neben meinen Badezimmerspiegel zu kleben.
Dort kleben schon einige Zettel, alle herzförmig zugeschnitten, mit Aufgaben an denen ich arbeiten möchte und Affirmationen, so dass ich täglich, z.B. beim Zähneputzen daran erinnert werde und mir einen oder mehrer lese und mich intensiv für ein paar Minuten damit beschäftige.

L.G.
Miezcat



Wer etwas nicht will findet Gründe. Wer etwas will Wege.
 
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offline christine  

nicht registriert
Beitrag Re: verzeihen  16.12.2005 • 22:56


Bevor ich mich jetzt noch einmal zu Wort melde, ist es mir wichtig klarzustellen, dass ich dieses Thema hier auf keinen Fall öffentlich aufgegriffen hätte.
Da ich jedoch vergangene Woche den Auftrag bekam, genau zu diesem Thema etwas zu sagen, habe ich nach Informationen im Netz gesucht und bin so auf diesen vier Monate alten Thread gestoßen.

Die wenigen Antworten ließen mich darauf schließen, dass viele von euch mit diesem Thema, genau wie ich, Schwierigkeiten haben. Da ich gerade an der Sache arbeite, wollte ich euch verschiedene Hilfestellungen zukommen lassen, ohne mich wichtig machen zu wollen.


Abschließend noch folgende Worte:

Eine für mich sehr hilfreiche Erkenntnis war, dass ich kein schlechter Mensch bin und auf gar keinen Fall als Versager dastehe, wenn es mir nicht gelingt ohne weiteres verzeihen zu können. Genauso wenig ist derjenige, dem es leicht fällt ein Musterexemplar der Vollkommenheit. Alles und jedes zu seiner Zeit!

Ganz wichtig ist es auch zu akzeptieren, dass es unverzeihliche Verletzungen gibt. Es gibt Verletzungen, die uns in unserer Mitte so sehr treffen und tiefe Spuren hinterlassen, die nie mehr gelöscht werden können. Wenn an diesen alten Erfahrungen gerührt wird, dann kommen selbst nach vielen Jahren Wut, Schmerz und Trauer wieder hoch.
Schwer ist es zu verkraften, wenn die Würde eines Menschen verletzt wird, indem sein guter Ruf untergraben oder er lächerlich gemacht wird. Noch schlimmer ist es, wenn ein Mensch bedroht wird oder wenn körperliche und seelische Gewalt auf ihn ausgeübt wird. Bei solchen Verletzungen gibt es kein "Schwamm darüber" oder "Vergessen wir das!"

Wie sieht es nun in den Fällen aus, wo kein Gespräch mehr möglich ist? Hier bleibt kein anderer Weg, als alles zu tun, was uns in unserer Selbstachtung fördert. "What ever takes you thru the night is all right." Diese Worte von Eric Clapton waren mir schon immer sehr hilfreich.
Auch muss man sich nicht dafür schämen, wenn man es nicht alleine schafft und therapeutische Hilfe in Anspruch nimmt.

@Mietzcat

ich denke mal, dass du mit der Methode der kleinen Schritte auf dem richtigen Weg bist und du dich nicht schuldig fühlen musst, wenn du noch nicht bereit bist verzeihen zu können. Wichtig an diesem Prozess ist, dass du ihn anfängst und fortsetzt, unter Umständen für den Rest deines Lebens. Lass dir auf jeden Fall von keinem Menschen diktieren, wann, was und wieviel du vergeben musst.


Im Laufe meiner Vorbereitung kam ich zu der Erkenntnis, dass Vergebung eine kreative Tätigkeit ist, wo ich die freie Wahl habe, mit welcher Methode und in welchen Tempo ich vergeben will bzw. kann.

Ich selbst habe im Laufe meines Lebens bereits verschiedene Methoden ausprobiert u.a. auch die, meine Verletzungen Gott zu übergeben. Dies war mal mehr und mal weniger erfolgreich. Morgen am Samstag starte ich einen dritten Versuch.

Alle verletzten Seelen aus in diesem Thread sind herzlich eingeladen, diese Möglichkeit der Vergebung in meinem Tagebuch mit zu verfolgen.

Christine
 
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offline Conni  

169 Beiträge

D - München
Beitrag Re: verzeihen  17.12.2005 • 09:15


Hallo Christine, vielleicht weißt Du dann einen Rat !

Wie aber schaffe ich es, einem Menschen denn man sehr geliebt hat und der einem (mir) sehr weh getan hat zu verzeihen. Ich kann es nach fast 17 Jahren nicht. Ich werfe dieser Person diese Verletzung die er mir zugefügt hat immer wieder vor und wenn ich an diese gemeinsame Zeit zurück denke,dann nur an die nicht so schönen Tage unglücklich
Ich schaff es nicht obwohl ER sich schon so oft für sein Fehlverhalten entschuldigt hat.
Ich hab oft das Gefühl ich bin sehr nachtragend, aber wenn ich an diese Worte (es waren nur Worte) zurückdenke, werde ich immer noch sehr traurig.
LG Conni
 
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offline christine  

nicht registriert
Beitrag Re: verzeihen  20.12.2005 • 22:53


Zitat von Conni

aber wenn ich an diese Worte (es waren nur Worte) zurückdenke, werde ich immer noch sehr traurig.

Ach Conni, sieh's mal positiv. Du bist bereits auf einem guten Weg. Immerhin hast du deinen Zorn und deine Wut bereits in Trauer gewandelt.

Ich denke mal eine interessante Buchempfehlung und mehrere, vor allen Dingen brauchbare Ratschläge, habe ich schon mehr als genug erteilt. Lies mal genau nach. Du kannst auch meine Tagebucheinträge verfolgen. Morgen dürfte es für dich interessant werden. Punkt 5 wäre da vielleicht recht hilfreich.

Ansonsten... was hab ich noch für dich?

Wie wäre es mit Trostchocolade? Du lachst? Nee, die gibt es wirklich und passt wunderbar in das Schlanktipps Konzept.

Wieso?
Herbe Bitterschokolade aus Arriba Edelkakao 70%

Wo?
Exclusiv Vertrieb: HUSSEL Süsswaren-Fachgeschäfte GmbH
D-58099 Hagen
http://www.hussel.de

Gruss
Christine zwinkern und ich erwarte dich in meinem Tagebuch
 
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offline Miezcat  

853 Beiträge

D - Niedersachsen
Beitrag Re: verzeihen  21.12.2005 • 00:48


@ Christine,

habe gerade in deinem Tagebuch gelesen.....

Zitat

.........wenn dir jemand auf die rechte Wange schlägt, dem biete auch die linke dar." Man hat uns beigebracht über Unstimmigkeiten hinwegzusehen, um jeden Preis Frieden stiften zu müssen, nicht in das Geschehen einzugreifen, den Wunsch nach Rache zu unterdrücken und den Schmerz zu erdulden, bis er vorübergeht oder wenigstens vorübergehend nachlässt.

Das schwarz auf weiß zu lesen, hat mich sehr betroffen gemacht, ich habe jahrelang die linke Backe hingehalten, immer und immer wieder, nicht wörtlich aber doch sinngemäß.

ICH habe mit mir machen lassen.............im Moment weiß ich nicht was eigentlich schlimmer für mich ist, dass ich diese Verletzungen ertragen habe oder dass ich verletzt wurde.

Es ist sehr schön, dass du dieses Thema gerade jetzt aufgegriffen hast, vielleicht für mich der genau richtige Zeitpunkt um mich intensiv damit zu beschäftigen.
Ich freue mich schon auf deine nächsten Einträge zu diesem Thema.
Danke.

L.G.
Miezcat



Wer etwas nicht will findet Gründe. Wer etwas will Wege.
 
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offline christine  

nicht registriert
Beitrag Re: verzeihen  21.12.2005 • 19:32


Zitat von christine

Punkt 5 wäre da vielleicht recht hilfreich.

@ Conni,

ich muss dich leider noch ein wenig vertrösten. Die Aufbereitung meines Vortrages für's Netz ist zeitaufwendiger als ich dachte. Ich habe es leider heute nur bis Punkt 5 geschafft. zwinkern

Damit du aber nicht umsonst hier reingeschaut hast, wartet in meinem Tagebuch eine Überraschung für dich. zwinkern

In der Zwischenzeit mache ich dir und den anderen hier ein wenig den Mund wässrig.

Zitat von Verpackungsrückseite der Trostchocolade

Chocolade hat sich als Nervennahrung, zur Rekonvaleszenz und als milderndes Mittel bei Liebeskummer seit langem bewährt.
Das sinnlich-süße Erlebnis, das über den Genuß auf der Zunge durch den Körper strömt, verschafft dem aus dem Gleichgewicht gebrachten Menschen eine entspannende Wohltat.
Maßvoll und mit Freunden genossen hilft diese vorzügliche Trostchocolade, die schönen Seiten des Lebens wiederzuentdecken."

verliebt verliebt verliebt
Christine
 
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offline Conni  

169 Beiträge

D - München
Beitrag Re: verzeihen  21.12.2005 • 19:41


Wenn wir eine Verletzung begehen, stellen wir uns auf ein niedrigeres Niveau als unser Feind;
rächen wir sie, stellen wir uns auf dasselbe Niveau wie er.
Verzeihen wir sie, sind wir über unseren Feind erhaben.



Das sind sehr schöne und wahre Sätze. Nur war der Mensch der mich so verletzt hat nicht mein Feind, er ist es durch seine Worte auch nicht geworden. Nur der Gedanke, daß ein Mensch der mich mal sehr geliebt hat so verletzende Worte sprechen konnte. Und eben diese Worte kann ich nie vergessen unglücklich nur hoffe ich das ich sie verzeihen kann.

Danke liebe Christine für Deine Worte und für die Trostschokolade
 
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offline beast  

540 Beiträge

D - Bayern
Beitrag Re: verzeihen  21.12.2005 • 21:51


Das ist schön, daß der grade jetzt oben ist zufällig.
Ich habs geschafft meinem Exfreund wirklich zu verzeihen. Ich hab gar nicht genau gemerkt, wann. Außerdem denk ich nicht mehr "Warum nur" etc blabla. Ich kann ihn als wirklich guten Freund sehen (wir verstehen uns wirklich außergewöhnlich gut) und auch sehen, daß er nichts aus Bosheit gemacht hat. Er war verletzt, ich war verletzt etc etc.
Ich glaube, jetzt erst kann ich wirklich befreit meine jetzige Beziehung leben. Es hat lange gedauert (4 Jahre) aber ich bin froh, daß ich in dem Fall so weit bin, weil ich ihn sehr gerne treffe und mit meinem Freund sehr sehr glücklich bin glücklich



Es gibt auf der ganzen Welt einen einzigen Weg, den niemand gehen kann außer Dir.
Frag nicht wohin er führt.
Geh ihn!
Friedrich Nietzsche
 
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offline Conni  

169 Beiträge

D - München
Beitrag Re: verzeihen  21.12.2005 • 22:23


Ich glaube selber von mir, das ich sehr nachtragend bin. Diese Geschichte ist jetzt schon ca. 17 Jahre her, aber ich mein es war gestern, hör die Worte, hör mein Weinen und fühl mich soooo alleingelassen unglücklich .

Conni
 
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offline christine  

nicht registriert
Beitrag Re: verzeihen  22.12.2005 • 00:02


Zitat von Conni

Diese Geschichte ist jetzt schon ca. 17 Jahre her, aber ich mein es war gestern, hör die Worte, hör mein Weinen und fühl mich soooo alleingelassen unglücklich

Also Conni,

bitte sei mir nicht böse, wenn ich hierzu etwas schreiben muss. Das ganze ist jetzt 17 Jahre her. Du bist seit 25 Jahren verheiratet, hast eine Tochter. Der Mensch hat sich bei dir entschuldigt, und das schon mehrfach. Was willst du noch? Sag!

Ich möchte dir ein paar Worte von Martin Buber geben:

Die große Schuld des Menschen
sind nicht die Sünden, die er begeht,
die Versuchung ist mächtig
und seine Kraft gering.
Die große Schuld des Menschen ist,
daß er in jedem Augenblick
die Umkehr tun kann
und sie nicht tut.


Vielleicht solltest du den Menschen, der dich verletzt hat mal aus diesem Blickwinkel betrachten.
Sag, was erwartest du von ihm, was kann er tun? Er hat doch schon alles Menschenmögliche unternommen.

Es tut mir wirklich Leid dir das sagen zu müssen. Aber in diesem Fall hilft wirklich nur die Schokolade.

Bitte nicht böse sein., aber gute Bekannte, und das sind wir ja hier inzwischen, sind auch dazu da, um sich mal gegenseitig den Kopf zu waschen.

Nur so zum Nachdenken
Christine
 
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offline Annette  

32 Beiträge

D - Karlsruhe
Beitrag Re: verzeihen  23.12.2005 • 02:53


Zitat von Conni

Ich glaube selber von mir, das ich sehr nachtragend bin. Diese Geschichte ist jetzt schon ca. 17 Jahre her, aber ich mein es war gestern, hör die Worte, hör mein Weinen und fühl mich soooo alleingelassen unglücklich .

Conni

Arme Conni...
Ich verstehe dich sehr gut. Es ist schlimm, wenn der Schmerz einfach nicht nachlässt. Mir geht es so mit meiner Mutter. Ich habe sie zuletzt vor 20 Jahren gesehen, seit fast 10 Jahren ist sie tot. Sie hat mich in der Kindheit (auch) mit Worten sehr tief verletzt. Ich wünschte, ich könnte ihr verzeihen. Ich weiß, dass ich an ihrem Verhalten keine Schuld habe. Ich weiß, dass es nur ihr eigenes Unvermögen war. Trotzdem lässt der Schmerz nicht nach. Dabei weiß ich, mein jetziges Leben (und meine Fressattacken?) wären schöner, wenn ich diesen Schmerz einfach loslassen könnte, ihr einfach verzeihen könnte. Es klappt nicht.
Vielleicht sollten wir es mal mit Affirmationen versuchen?
"Ich habe (Name) verziehen!" In 43 Tagen können wir unsere Ergebnisse vergleichen zwinkern
Ich hoffe nur, ich bin nicht so schlampig wie bei der Spiegelübung... nunja
Aufmunternde Grüße aus Karlsruhe von
Annette



Wem das Wasser bis zum Halse steht, der sollte den Kopf nicht hängen lassen!
 
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offline Conni  

169 Beiträge

D - München
Beitrag Re: verzeihen  23.12.2005 • 08:14


Hallo Christine !

Vielleicht hast Du recht mit den Worten was willst Du mehr" !
Es gab in meiner Ehe einmal eine bittere Zeit wir waren nahe dran uns zu trennen und da gab es für mich eben diesen Menschen !!! Diesen anderen Mann. Ich weiß wie sehr ich meinen Mann damals verletzt habe und er konnte mir verzeihen und vergeben.
Den anderen Mann gibt es nicht mehr in meinem Leben d.h. er meldet sich ab und an telefonisch aber ich habe echt abgeschlossen mit ihm. Ich glaube das ich ihm deshalb nicht verzeihen kann, weil ich ihm nie so richtig gesagt habe wie er mich damals verletzt hat ärgerlich .
Ich würde ihm gerne mal ins Gesicht schreien und ihm sagen was ich damals gefühlt habe ärgerlich , Wut, Zorn, Trauer !!!
Aber vielleicht schaff ich es irgendwann mal diese Sache abzuhaken und zu vergessen, ich muß sagen ich leide heute noch unter dieser Zeit, ich träume oft schlecht davon, immer der gleiche Traum, ich weiß nicht warum das so ist, aber diese Zeit hat mich geprägt, ich hoffe nur nicht ein Leben lang.

LG Conni
 
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offline Lauscherin  

1.407 Beiträge
Beitrag Re: verzeihen  23.12.2005 • 19:48


Liebe Conni,

Zitat von Conni

Vielleicht hast Du recht mit den Worten was willst Du mehr" !
... Ich würde ihm gerne mal ins Gesicht schreien und ihm sagen was ich damals gefühlt habe ärgerlich , Wut, Zorn, Trauer !!!

Kann es sein, dass du hier selbst auf die Frage geantwortet hast? Kannst du dir vorstellen, dem Mann das zu sagen?
Manche sagen auch, dass es hilft, in so einem Fall einen Brief an den entsprechenden Menschen zu schreiben, selbst wenn man ihn dann hinterher nicht abschickt ...

Conni, kannst es sein, dass dein Nicht-verzeihen-können dir was sagen will? Vielleicht ist es ja ganz gesund oder hat zumindest einen Sinn?

Ich lese grad ein Buch über's Meditieren und der Autor (A. Mindell) vertritt u.a. die Ansicht, dass Entspannung (auch Verzeihen?) regelrecht gefährlich ist, wenn simultan zur physischen Entspannung nicht auch die Probleme abgearbeitet werden, die zur Verspannung geführt haben. Er sagt, dass sich ohne Problembearbeitung die Verspannungen dann nur auf eine tiefere Ebene zurückziehen, wo sie für das Bewusstsein viel schwerer zugänglich sind, und dann z.B. zu Krankheiten führen.

Conni, vielleicht wehrst du dich -zu Recht!- gegen eine irgendwie verquere Vorstellung von Verzeihen?

Was ist Verzeihen eigentlich?

Für mich trifft es das, was beast schreibt am ehesten: "Ich hab gar nicht genau gemerkt, wann." Für mich ist Verzeihen kein grosser Kraftakt, keine bewusste Anstrengung, und auf jeden Fall keine neue Konzentration auf die Verletzungen und die Verletzer. Ich merke es höchstens im Nachhinein, dass diese Verletzungen irgendwie unwichtig geworden sind. Manchmal verschwinden die Verletzer aus meinem Leben, aus meinen Gedanken, aus meinen Träumen, vielleicht, damit ich sie irgendwann anders sehen kann, als hätte ich sie gerade neu kennengelernt ...

Lieber Gruss
Lauscherin



Alle sagten: Das geht nicht.
Dann kam einer, der wusste das nicht, und hat's gemacht. (www.pachizefalos.de)
 
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offline christine  

nicht registriert
Beitrag Re: verzeihen  23.12.2005 • 21:43


Zitat von Conni

Hallo Christine !

Vielleicht hast Du recht mit den Worten was willst Du mehr" !

Was willst du mehr? Ach Conni, ich glaube ich muss mich bei dir entschuldigen.

Da schreibe ich ja selbst, man soll sich nicht vorschreiben lassen wann und in welchem Tempo man vergeben soll, Und dann mache ich dir solche Vorhaltungen.

Ich mag es ja selbst nicht, wenn mir etwas über gestülpt wird. Mir hat man auch oft genug gesagt: "Vergiss es!" "Lass die alten Kamellen los!" "Es darf nicht sein, dass du etwas unnötig lange mit dir herum schleppst, damit schadest du nur deiner Psyche."

Oft wurde ich auch darauf aufmerksam gemacht, dass Personen, die mir nicht sehr nahe stehen, es gar nicht wert seien, mit so großen Gefühlen bedacht zu werden. Das Ende vom Lied war, dass ich mich dafür geschämt habe,- was ja auch ein Gefühl ist -, nicht loslassen zu können. Ich kam mir wie ein Versager vor und habe mich wie du, andauernd gefragt, warum ich es nicht schaffe.

Heute, nachdem ich mich ein wenig mit den Basisemotionen beschäftigt habe, weiß ich, dass meine aufkommenden Gefühle überhaupt nichts mit einer bestimmten Person zu tun haben müssen.

Wildfremde Menschen, die brauchst du nicht einmal persönlich zu kennen, können, wenn sie es darauf anlegen, ganz heftige Gefühle in dir auslösen, dich damit verletzen und im schlimmsten Falle sogar lahm legen. Lies hierzu mal TEIL 5!

Noch Eines, vielleicht hilft dir das ein wenig. Schmerz ist auch ein Gefühl. Schau mal genau hin. Kann es sein, dass da eine andere Emotion drüber liegt, deine Wut, von der du schreibst? Arbeite mit der und wenn die weg ist, geh an die nächste Emotion, den Schmerz z.B. Vielleicht schaffst du es so, endlich loszukommen.

Liebe Conni, ich wünsche dir so sehr, dass du deinen inneren Frieden wieder findest und meine voreiligen Worte tun mir von Herzen Leid.

Liebe Gruesse und ein schönes Fest wünscht dir
Christine
 
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